Klasse 8g: Texte, Bilder und Eindrücke

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Klasse 8g der Drawehn – Schule Clenze, Schuljahr 2016/17

Arbeit am Flyer:

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Kreatives Schreiben: „Splitter“

  1. Rache an der Pferdehändlerin?“

Am Abend nach Schwalbes Vorschlag, sich an der Pferdehändlerin zu rächen, schreibt Hasse Tagebuch:

Warum eigentlich „Opfer“? Und warum „Rache“? Er kennt die Leute hier doch gar nicht. Man kann doch keine Rache an Leuten nehmen, die man nicht kennt. Oder doch? Immer wenn ich ihn frage, weicht er aus oder fragt mich, ob ich dumm bin und warum ich das nicht selber weiß. Dann traue ich mich nicht mehr weiter zu fragen, weil ich ja nicht will, dass er mich für dumm hält. Schwalbe ist nämlich mein Freund.

(Leonie Mombaur)

Kann ich dann aus der Aktion überhaupt wieder aussteigen? Was, wenn nicht? Was für Folgen hat das dann für mich? (…) Er wird schon nichts Schlimmes vorhaben (…) Es wird alles gut.

(Yasmin Henn)

Aber – Moment mal, wie kann ich denn in Betracht ziehen, mich an Leuten zu rächen, die mir nichts getan haben, die ich vielleicht sogar nicht einmal kenne. Ich mache immer fleißig meine Hausaufgaben – und wenn man uns erwischt? Ich kann mir meine Zukunft nicht mit ein paar Streichen kaputtmachen. Nein, nein, das kann ich nicht. Aber was wird Schwalbe dazu sagen, dass ich ihn nicht bei seinem Vorhaben unterstütze? Obwohl – ich kann mich ja bei meiner Hilfe im Hintergrund halten, so dass niemand merkt, dass ich dabei mitmache.

(Chantal Lampe)

Warum will er eigentlich Rache an Leuten, die er nicht kennt? Naja, wenn man es so sieht, hat jeder Mensch etwas getan. (Niemand ist vollkommen unschuldig). Aber trotzdem ist es verdammt unnormal. (…)

Dabei bin ich weder feige noch dumm, dass ich feige bin, sagt der doch nur, damit er nicht ranmuss, halt, weil er sonst den Ärger bekommt. ( ….)

Aber mit dem „dumm“, da könnte er auch recht haben. Meine Mutter sagt, man muss Träume haben und ich habe keine. Schwalbe hingegen hat welche. Er will weg, an einen wärmeren Ort ziehen. (…)

Der Satz: „Ich werde ein Mensch sein, den niemand vergisst“, hört sich mit dem Wort „Rache“ irgendwie krank an. Doch Schwalbe ist kein Psychopath, er ist halt einfach nicht der gehorsame Junge, der immer seine Aufgaben macht. So macht das Leben viel mehr Spaß, wenn man das tut, worauf man gerade Lust hat. Ich habe es auch satt, immer zu gehorchen und er bietet mir die Möglichkeit, NICHT immer zu gehorchen ( ich darf ihn als Freund nicht verlieren). Also muss ich das durchziehen. Ach, Mist, dann hat er genau das erreicht, was er erreichen will, indem er mich immer mit einbezieht. Ich könnte ausrasten, es ist eine Zwickmühle. Entweder ich ziehe das Ding durch und gehe das Risiko ein, dass ich Ärger bekomme oder ich ziehe das Ding nicht durch und gehe das Risiko ein, Schwalbe als Freund zu verlieren. Was tun???

(Leon Gade)

Wenn das so ist, dann benutzt er das Wort „Rache“ vielleicht nur, damit ich nicht weiter nachfrage. Außerdem erzählt er immer davon, dass er nicht vergessen werden möchte. Vielleicht versucht er, durch sein sinnloses Handeln, Aufmerksamkeit zu erregen. Soll ich ihm helfen, seine „Rache“ auszuüben oder nicht? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Apropos nachfragen: Wieso weicht er meinen Fragen immer mit „Bist du blöd?“ aus. Und: Soll ich ihn darauf ansprechen? Lieber nicht, denn erstens würde er sowieso wieder ausweichen und zweitens will ich nicht meinen einzigen Freund verlieren und wieder mit Sven Olov spielen.

(Michel Bösser)

Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals in eine solche Zwickmühle gerate. Eigentlich möchte ich mit der ganzen Sache nichts zu tun haben, aber ich habe ja nur ihn als Freund, und wahrscheinlich ist das eine einmalige Sache. Danach können wir wieder spielen und das alles vergessen. Jedoch traue ich mich nicht, wenn DOCH etwas passiert, dann kriege ich sicherlich Hausarrest von Mutter und noch schlimmere Strafen, zum Beispiel, dass ich Schwalbe nicht mehr sehen darf. ( …. )

Er ist immerhin der Sohn des Oberförsters, der ist sicherlich reich und Mutter kann sich dann endlich neue Stiefel leisten. Und ich kaufe mir Schneeschuhe wie Schwalbe sie hat. Aber es ist falsch, für so etwas Schlimmes Geld zu bekommen.

Warum die Pferdehändlerin? Sie hat niemandem etwas getan. Natürlich ist sie geizig, aber damit tut sie niemandem etwas, zudem sollte sie einem leid tun, immerhin hat sie ihren Mann verloren und sie ist auch schon sehr alt und gebrechlich. ( … )

Damals, als ich ihn das erste Mal sah, wie er dort auf dem Stein stand mit seinen tollen, teuren Schneeschuhen und dem Feldstecher hätte ich nicht gedacht, dass er so einen Unsinn vorhat und einfach Leuten Leid zufügen will und dass er auch noch mich damit hereinzieht ohne mich zu fragen, sondern einfach davon ausgeht, dass ich mitmache ohne sich meine Meinung anzuhören oder gar nach dieser zu fragen.

Ich denke, es ist das Richtige, wenn ich zu Schwalbe gehe und ihm sage, dass ich mit dieser ganzen Sache nichts zu tun haben möchte und das muss er dann einfach akzeptieren.

(Adrian Preiß)

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2. Szene 10: Schwalbe hat nicht Schmiere gestanden und Hasse ist von Janine erwischt worden: Hasses Tagebucheintrag

Er wollte Schmiere stehen, damit ich die Tat vollbringen kann. Ich wurde aber trotzdem von Janine erwischt und in ihre Küche gebracht. Sie stellt mir ihre Nasen vor. Schwalbe tauchte am Fenster auf und lachte mich aus …… Als hätte er es so gewollt. … ich frage mich langsam, ob Schwalbe wirklich normal ist und warum er, obwohl er nur Unsinn macht, noch mein Freund ist ….

Ich will das ja eigentlich gar nicht wirklich , aber ich habe Angst, Schwalbe als Freund zu verlieren, wenn ich nicht mitmache. Wie soll das bloß weitergehen?

(Saskia Pinnisch)

…. und es ist alles so gelaufen wie sonst auch. Er kommt an, äußert seine Idee, sagt, dass ich helfen soll, unterdrückt und beleidigt mich, macht selber nichts, verpisst sich nachher. Ich verstehe ihn nicht. ( …. )

Aber er hat mich irgendwie im Griff. Er schafft es, mich Sachen tun zu lassen, die ich gar nicht will. ( … )

Das Traurige ist aber, dass sich unsere Freundschaft nicht verändern wird, wenn sie noch länger halten sollte. Er wird mich weiter im Griff haben und weiter solche Aktionen planen. Es ist echt ein Trauerspiel.

(Daniel Rühne)

Irgendwie hat er es dann auch noch geschafft, dass natürlich wieder ich die Drecksarbeit erledigen musste und er nur Schmiere gestanden hat. Aber er war der mieseste Schmieresteher aller Zeiten! … Er wurde da mit einem Mal total hysterisch und verrückt. In diesem Moment hatte ich zum ersten Mal ein bisschen Angst vor ihm und mir ist auf einmal bewusst geworden, dass er wirklich ein wenig unberechenbar ist. Aber wenn ich doch sogar Angst vor ihm habe …. warum nenne ich ihn noch immer meinen Freund? Was genau an Schwalbe fasziniert mich so, dass ich ihn trotz allem, was passiert ist, immer noch meinen Freund nenne? Doch ich habe auch ein bisschen Angst davor, was die Zukunft noch so alles mit sich bringen wird. Wird Schwalbes Rache in Zukunft immer nur noch grausamer werden? Oh Mann, ich weiß echt nicht, wie ich da heil wieder herauskommen soll.

(Leonie Thörmer)

Erst war ich endlich so mutig, ihm zu sagen, dass ich nicht mehr mitmache, aber dann bin ich aus irgend einem Grund doch mitgekommen. Warum half er mir nicht? Das ist doch keine Freundschaft! Ich bin sehr enttäuscht von ihm, aber eigentlich wusste ich doch, dass so etwas passieren musste. Schwalbe hat irgend etwas an sich, irgend etwas, das mich Dinge tun lässt, die ich gar nicht tun will. Das mag auch daran liegen, dass er mein einziger – naja – Freund ist. Wenn das so weitergeht, dann steige ich aus“ Aber … das habe ich heute ja auch schon gesagt und habe es trotzdem nicht geschafft.

(Leonie Mombaur)

Aber wenn ich das nicht mache, wird Schwalbe sagen, dass er nicht mehr mein Freund sein will, und das kann ich nicht zulassen, denn mit Schwalbe habe ich keine Langeweile mehr. Sven Olov ist immer so brav und Schwalbe hat immer coole Ideen. Also ist Schwalbe nur mein Freund, weil ich niemand anderen habe? Irgendwie ja schon, aber ich bin ja vorher auch ganz gut ohne Freunde ausgekommen. Dann könnte ich wieder von meinem „Klippenthron“ die Landschaft beobachten.

(Merle Eva)

  1. Dialog: Einige Wochen nachdem Schwalbe weggezogen ist, ruft er Hasse noch einmal an. Er wohnt jetzt in einem kleine Dorf in Norwegen. Die beiden führen ein kurzes Telefonat miteinander:

S: Und mit wem machst du dann etwas, wenn ich nicht da bin? Sag jetzt nicht du hängst mit Sven-Olov ab!

H: Doch das tue ich! Er ist eigentlich ganz nett und nicht so langweilig wie ich immer gedacht habe. Meine Mutter findet das auch super. Hast du schon neue Freunde?

S: Nein, ich hab noch keine Freunde. Hier sind zwar ein paar Jungs, aber die verstehen überhaupt keinen Spaß.

H: Wolltest du etwa mit denen Streiche spielen?

S: Nur einen kleinen…

H: Schwalbe, so wirst du nie Freunde finden,wenn du sie immer für böse Taten ausnutzt!

S: Natürlich werde ich Freunde finden, die verstehen nur keinen Spaß hier.

H: Schwalbe, es geht doch nicht immer nur um Spaß! Echten Freunden kann man vertrauen und sich auf sie verlassen. Darauf kommt es an!

S: Auf mich kann man sich verlassen!

H: Nein, Schwalbe kann man nicht. Als ich die Johannisbeerbüsche von Janine beschmieren sollte, bist du einfach abgehauen! Das nennst du Vertrauen? Echte Freunde machen so etwas nicht!

S: Du hast es freiwillig gemacht.

H: Schwalbe, du hast mich zu diesen Taten gedrängt und jetzt ist Aurelia sogar tot! Und du warst zu feige es zuzugeben, dass du es warst! Ich alleine wurde verdächtigt! Und was hast du gemacht? Du bist einfach abgehauen nach Norwegen! Das ist keine echte Freundschaft.

S: Na und? Jetzt bin ich ja weg aus deinem Bauernloch. Ich werde schon Freunde finden, das wirst du schon sehen!

H: Das wirst du niemals verstehen oder?

S: Was denn?

H: Ach egal. Lebe wohl, Schwalbe!

S: Lebe wohl!

(Caren Reinecke)

In meinem neuen Dorf ist es voll langweilig. Ich lebe jetzt in Norwegen. Hier ist es nicht viel besser als in deinem Bauernkaff!“

Wieso ist es bei euch denn voll langweilig?“

Ich habe zwei kleine Kinder ins Wasser geschubst und sie haben sich beide eine fette Unterkühlung geholt. Das Schlimme daran war, dass niemand darüber gelacht hat. Das sind voll die Spielverderber!“

Schwalbe! Verstehst du es nicht?“

Hä! Was meinst du? Ich bin Schwalbe. Ich verstehe alles! Also komm mir nicht mit deinen blöden Weisheiten!“

Nein, Schwalbe. Es kann sein, dass du vielleicht vieles verstehst, aber von Freundschaft verstehst du gar nichts! Freundschaft bedeutet, dass man sich hilft und man einem vertrauen kann. Nichts davon trifft auf dich zu!“

Was redest du für einen Schwachsinn! Ich glaube, man verblödet wirklich, wenn man zu lange in deinem Bauernkaff wohnt. Für mich ist Freundschaft nur ein Mittel zum Zweck.

Hasse schreit: Jetzt hör mir aber einmal zu! Wer von uns beiden hat den anderen nur ausgenutzt? Wer hat Aurelia auf dem Gewissen? Ganz allein du!

(Michel Bösser)

010

Telefonat zwischen Hasse und Schwalbe

( Das Telefon klingelt)

H: Hallo hier ist Hasse?
S: Hallo Hasse! Jetzt bist du wirklich ein Zwerg der tausend Meilen entfernt ist…
H: Ach hallo Schwalbe. Wie geht es dir?
S: Gut und dir?
H: Mir geht es auch gut. Wie ist es in deinem neuen Dorf?
S: Naja, geht so… Es ist ziemlich klein, aber immerhin größer als dein Bauernkaff! Das Doofe ist, dass es hier immer sehr kalt ist!
H: Aber sonst scheint es ja okay zu sein, oder?
S: Ja. Mein Vater hat hier wieder einen Job als Oberförster angenommen.
H: Wieso seid ihr eigentlich nach den Ferien nicht mehr wiedergekommen?
S: Das ist mir doch egal…
H: Etwas schade ist es aber schon!
S: Stimmt, jetzt hast du keinen Freund mehr der sich mit dir abends an der Eisenbahnbrücke trifft um zu wetten!
H. Schwalbe wir waren keine Freunde und werden es auch nie sein.
S: Natürlich waren wir Freunde! Was denn sonst?
H: Keine Ahnung, aber auf jeden Fall keine Freunde…Freunde sind nämlich nicht dazu da, mit jemanden irgendwelche unschuldigen Leute zu ärgern oder sie umzubringen. Freunden kann man vertrauen und ich konnte dir nie vertrauen! Schwalbe verstehst du? Wir waren nie Freunde!
S:Aber Hasse, es hat doch immer Spaß gemacht, die Leute zu Opfern zu machen! Ich wette mit dir …
(Schwalbe wird von Hasse unterbrochen)
H: Nein Schwalbe, ich wette nicht mit dir! Nie wieder! Und es hat auch nie Spaß gemacht, die Leute leiden zu sehen. Die arme Aurelia ist wegen dir gestorben!
S: Ja, das hat sie auch verdient. Hasse, die war doch wohl nicht mehr ganz dicht!
H: Na und? Jeder Mensch ist anders, aber das ist doch kein Grund sie gleich umzubringen! Also falls du in Norwegen irgendwann mal Freunde findest, denk darüber nach, was dir deine Freunde wirklich bedeuten. Sonst bist du die ganz schnell wieder los! Genau wie du mich jetzt los bist. Ich wünsche dir noch ein schönes Leben in Norwegen! Tschüß!
(Annika Thon)

S: Hallo Hasse, ich habe vor 2 Tagen schon versucht bei euch anzurufen, aber es ging keiner an den Hörer. Liegt wahrscheinlich daran, dass in diesem Bauernkaff der Empfang so schlecht ist wie die Luft, wie die Leute, einfach wie alles dort. Ich wollte nur sagen, dass es die beste Entscheidung war, von dort wegzuziehen. Wir leben jetzt im nördlichen Norwegen in einer kleinen Wohnung an einem See, in dem ich immer baden gehen kann, das würde dir bestimmt auch mal gut tun …

H: STOP! SCHWALBE, ES REICHT!

Hast du angerufen um mir zu sagen, ob du gut angekommen bist und eventuell die versäumten Dinge mit mir zu klären oder hast du angerufen um mir wieder Vorwürfe zumachen ?

S: Hä ? Ich verstehe gar nichts mehr ! Ich war immer ein guter Freund für dich und ich weiß jetzt nicht, was du mit mir klären willst ?

H: Was ich mit dir klären will ? Meinst du das jetzt ernst ?

Schwalbe, du hast einen Menschen umgebracht und mich da mit reingezogen und das mehrmals. Ich habe gedacht und nie die Hoffnung aufgegeben, dass wir Freunde sind.

S: Wir waren doch auch gute Freunde, ich habe gesagt und du hast gemacht , du warst ein wahrer Freund. Hier sind die Kinder alle total langweilig und öde. Vor ein paar Tagen habe ich eine Seefeier gemacht und alle Kinder aus meiner Klasse waren eingeladen, dann habe ich versucht, 2 Kinder auf einmal zu gluckern, es hat keiner gelacht, alle hatten nur Angst, dass sie ertrinken werden. Seitdem hat niemand mehr mit mir geredet.

H: Ja, das ist ja auch verständlich, das hätte ich auch gemacht, so bekommst du keine Freunde… und wenn ich das jetzt alles so höre, waren wir auch nie Freunde. Du weißt gar nicht, was Freundschaft ist!

S: Doch, das weiß ich, ich weiß Alles !

H: Nein, Schwalbe, du weißt nichts, zumindest was so etwas angeht, Freundschaft bedeutet für einander da sein, zu dem anderen stehen, ihm immer zu helfen und ihn zu beschützen. Das hast du nie gemacht, du hast immer nur an dich gedacht und anderen damit wehgetan. Schwalbe? Du machst dir damit alles kaputt!

(Mira Grabow)

Probenbesuch am 13.9.2016

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Stummer Dialog: Ist der Titel berechtigt? Ist Hasse Karlsson ein gewissenloser Mörder?

(Man darf nicht miteinander sprechen, sondern tauscht seine Gedanken in schriftlicher Form aus.)

Im Buch wird der Titel ja in der Szene mit der Pferdehändlerin erwähnt.

Der Titel muss ja nicht für einen richtigen Mord stehen. Es kann ja auch zum Beispiel der Mord an den Träumen seiner Mutter sein oder an anderen Dingen, die er zerstört hat.

Ich glaube aber auch, dass die Pferdehändlerin ihn gesehen hat und gedacht hat, dass er gewissenlos ist, deswegen steht da ja auch, wenn er vor die Polizei gestellt wird, wird es heißen, „Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson“.

Ich glaube aber nicht, dass der Titel aus den Gedanken einer Nebenrolle kommt.

Ja, ich weiß, aber ???? …

Ein Titel fasst ja meist die Geschichte zusammen oder bezieht sich auf eine Hauptrolle oder eine sehr wichtige Szene. Und die Pferdehändlerin ist keine Hauptrolle.

Eigentlich müsste es heißen „ Der gewissenlose Mörder Schwalbe.“

Eigentlich schon, aber Hasse hat das alles auch nicht verhindert.

Stimmt, er hätte ihr helfen müssen, das ist ja schon ziemlich gewissenlos.

Und damit ist er mitschuldig an dem Mord.

Er hat zum Beispiel keine Verantwortung für seine Hausaufgaben übernommen und auch nicht dafür, Schwalbe ein bisschen in Schach zu halten, damit er nichts Dummes macht.

Er hat keine Verantwortung gezeigt, als er Aurelia hätte retten können. Er war verantwortlich, weil Schwalbe wahrscheinlich ja ein psychisches Problem hat, und damit hat Hasse ja auch Schuld.

Ja, das stimmt.

Ich glaube auch, dass er mit Schuld am Tod seiner Mutter trägt, dass sie durch ihn in Trauer bis zum Tod leben musste.

Hasse hat auch etwas gemacht – von Anfang an. ER saß hinter einem Busch und guckte zu, wie Schwalbe Aurelia hochlockte und dann hat er auch das Geld geklaut und er hat sozusagen Schmiere gestanden und deshalb ist der Titel berechtigt, glaube ich.

Ich denke das Gleiche, er hat Schwalbe ja auch nie verraten und wenn alles auffliegen würde, würde er von allen für den Mörder gehalten.

(Nils Farnsteiner und Leshem Jaensch)

016

( … ) Es gab ja zwei Tote, einmal Aurelia und die Mutter, und mit der Mutter hatte er ja auch nicht alles geklärt, vielleicht meinte Henning Mankell, dass er die Mutter auch umgebracht hat.

Aber er hat ja trotzdem ein schlechtes Gewissen gegenüber den beiden.

Ja, das stimmt, und er hat bei Aurelia bloß nicht geholfen. Das ist unterlassene Hilfeleistung. Wie die Mutter gestorben ist, wissen wir nicht.

(Paul Schwarz und Thoralf Hesse)

Du willst lieber ein anderes Wort für „gewissenlos“ haben?

Ja, ich stelle mir so etwas vor wie „beeinflusste“ oder „unachtsame“.

„Beeinflusste“ finde ich gut, denn Schwalbe überredet
Hasse ja.

(Finn Müller und Husejn Berisha)

Die Wandzeitung zum Projekt

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Arbeitsergebnisse:

Schwalbe fühlt sich im Dorf…

  • nicht wohl, weil er neu und allein ist
  • unsicher und überspielt das mit Angeberei
  • nicht integriert, weil er vieles nicht kann oder kennt und außer Hasse keinen Freund hat

Hasse fasziniert am Schwalbe, dass …

  • er Abwechslung ins Dorf bringt, geheimnisvoll und etwas Besonderes ist
  • dieser Dominanz, Ungehorsam und Unangepasstheit verkörpert
  • er faszinierend wirkt, weil er spontan, willensstark, cool, unabhängig und durchsetzungsstark auftritt

Dominanz und Gewalt können faszinierend wirken:

  • Nervenkitzel
  • etwas Neues ausprobieren
  • so cool sein wollen wie andere
  • Wenn man leicht beeinflussbar ist, ist man besonders empfänglich dafür

„Rache“ an der Gesellschaft gibt es in unserem Alltag:

  • Amokläufe
  • Extremismus, politisch oder religiös motiviert
  • wer sich von der Gesellschaft ungerecht behandelt fühlt, will sich (wie Schwalbe) an ihr rächen
  • Hilflosigkeit und Verzweiflung sind oft die Ursachen von Gewalt

Die Dialoge zwischen Hasse und Schwalbe

  • meist einseitig, Schwalbe setzt immer seinen Willen durch
  • Strategien:
  1. Er bindet Hasse mit ein, indem er „wir“ sagt
  2. weicht Hasses Fragen aus
  3. lässt ihn nicht ausreden
  4. kritisiert, beschimpft und beleidigt ihn, beschuldigt ihn, dumm oder feige zu sein
  5. ignoriert die Fragen einfach, lenkt ab und spricht von etwas anderem
  6. beschwichtigt Hasse und sagt, dass alles harmlos ist
  7. benutzt Wörter falsch um sein Verhalten zu rechtfertigen: „Rache“ ist Vergeltung, bei Schwalbe Leuten Schaden zufügen
  8. versucht, immer das letzte Wort zu haben
  9. kommandiert Hasse herum ohne Hintergründe zu verraten
  10. zieht zur Rechtfertigung andere Menschen/“die Erwachsenen“/„Autoritäten“ heran

Hasse wehrt sich manchmal: „Kannst du selber“ (S.84), aber er setzt sich nicht durch.

Deshalb gibt es zwischen den beiden zwar eine Abhängigkeit, aber keine richtige Freundschaft.

Die Schülerinnen und Schüler entwerfen Rollenspiele aus ihrem Erfahrungsbereich, in denen mit Schwalbes Rhetorik gearbeitet wird:

Aufgabe: Rollenspiel 1: „Schwalbe“ setzt seine Ziele durch

Rollenspiel 2: Die Rhetorik wird entlarvt und scheitert

      1.Dialog: Ladendiebstahl

Merle steht auf der Bühne, Annika kommt

A: Hey, Merle! Hast du Bock auf was Cooles?
M: (unsicher) Ähm…Was denn?
A: Siehst du den Supermarkt da? Hol mir mal ne Cola!
M: Ich hab aber gar kein Geld.
A: Du sollst ja auch klauen!
M: Äh…Warum machst du das denn nicht?
A: (patzig) Ich dachte, du willst cool sein! Und jetzt geh!!
(zeigt auf den Supermarkt)
M: Ich will abe…
A: Was bist du denn für ein Feigling?!
M: Ja. Okay… . Ich geh ja schon.
A: Na endlich!


2.Dialog: Ladendiebstahl

Caren steht auf der Bühne, Annika kommt

A:Hey Caren! Hast du Bock auf was Cooles?
C:Äh…Was denn?
A: Siehst du denn Supermarkt da? Hol mir mal ne Cola!
C: Ich hab aber kein Geld.
A: Du sollst ja auch klauen!
C: Klauen?! Ich will aber nicht klauen
A: Wieso? Ist doch lustig!
C: Nee?! Stell dir vor, mich sieht jemand!
A: Na und?
C: Ich kann dafür bestraft werden!
A: Du wirst schon sehen.
C: Was werde ich sehen?
A: Frag nicht so blöd!!
C: Tu ich nicht!
A: Willst du denn nie erwachsen werden?
C: Lenk nicht vom Thema ab! Das hat damit nichts zu tun!
A: Die Erwachsenen machen das doch auch!
C: Also ich hab noch keinen gesehen und wir sind auch noch nicht erwachsen!
A: Caren, wollen wir jetzt was Cooles machen oder nicht?
C: Warum „wir“? Ich soll doch klauen.
A: Soll ich’s dir zeigen?
C: Mach doch! Aber ich gehe!!!
A: Mann, bist du feige!

(Merle Eva, Caren Reinecke, Annika Thon)

2. Dialog: Gewalt

Michel: „Hey, Maxim, siehst du diesen Penner dort drüben?“

Maxim: „Ja, und?“

Michel: „Lass uns ihm mal eins aufs Maul geben?“

Maxim: „Wieso denn? Er hat doch gar nichts getan.“

Michel: „Guck ihn dir doch einmal an. Er ist eine Schande für die

Menschheit. Wir schlagen ihn einfach!“

Maxim: „Mach du es doch alleine! Ich möchte damit nichts zu tun

haben!“

Michel: „Jetzt heul nicht rum! Im Fernsehen sieht man doch andauernd

Prügelei von Erwachsenen. Machst du jetzt mit, oder willst du für

immer ein Kind bleiben?“

Maxim: „Gut, ich mach’s. Aber nur, wenn du mich nicht verpetzt!“

Hey Maxim, siehst du diesen Penner dort drüben?“

Ja, und?“

Lass uns ihm mal eins aufs Maul geben!“

Wieso denn? Er hat doch gar nichts getan.“

Guck ihn dir doch mal an! Er ist eine Schande für die Menschheit. Wir schlagen ihn einfach zusammen!“

Mach du es doch alleine! Ich möchte damit nichts zu tun haben!“

Jetzt heul‘ nicht rum! Im Fernsehen sieht man doch andauernd Prügelein von Erwachsenen. Machst du jetzt mit, oder willst du für immer ein Kind bleiben?“

Nein! Außerdem wird man nicht erwachsen, nur weil man andere Leute verprügelt! Würdest du es auch gut finden, wenn du derjenige bist, der verprügelt wird?“

Was laberst du?! Ich bin doch kein Penner, also wird mich auch keiner verprügeln!“

Das sagst du doch nur, um mich dazu zu bringen, den Typen zu verprügeln. Doch ich durchschaue dich. Ich habe keinen Bock auf deinen Scheiß! Ich gehe jetzt nach Hause!“

Michel ruft Maxim nochDu Feigling!“hinterher, doch Maxim ignoriert ihn und geht nach Hause.

(Maxim Mos und Michel Bösser)

Der Flyer ist fertig!

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(Fotos und Textauswahl: Ulrike Naupert)

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